Rückschläge

Am Montag kam kein Beitrag von mir, weil es mir einfach nicht gut geht. Der Rückschlag von letzter Woche setzt mir mehr zu als erwartet. Mir fehlt eine Struktur, damit ich am Ball bleibe. Jeder Tag ist seit dem Rückschlag eine Qual. Die meiste Zeit liege ich einfach nur herum und bekomme nichts auf die Reihe.

Ein Hungergefühl habe ich auch nicht wirklich und mein Schlafrhythmus hat sich wieder verschoben. Ich schlafe tagsüber und bin nachts wach. Mittlerweile spüre ich dieses schwarz-weiß-denken sehr stark. Sagen wir mal 95% des Tages bin ich nicht zu gebrauchen. An den anderen 5% des Tages bin ich unglaublich motiviert und könnte Bäume ausreißen. Allerdings habe ich während der motivierten Phase auch ganz schwarze Minuten. Seit dem schlimmen Rückschlag habe ich fast täglich 1-2 Anfälle. Das sind allerdings eher kleinere Anfälle. Ich fange an zu weinen und weiß nicht mehr weiter.

Die Gedanken dabei sind unterschiedlich und gleich zugleich. Bei den Gedanken handelt es sich um Gedanken über mich. Ich mache mich immer irgendwie fertig. Sei es jetzt mit den Worten, dass ich ein manipulatives Monster bin oder mit den Worten, dass ich schwach und erbärmlich bin und ich mich für mich schäme. Alle Gedanken sind nicht wirklich wahr. Manipulieren tut jeder ein bisschen und ich mache es genauso wenig mit Absicht wie anderen Menschen auch. Und nur weil ich mich wie ein Monster fühle, bin ich noch lange kein Monster. Ich bin auch nicht schwach und erbärmlich. Durch den Rückschlag könnte man denken, dass ich schwach bin, aber Rückschläge gehören dazu und ich habe ihn überlebt. Für die neuen Schnitte schäme ich mich sehr, aber es ist nicht erbärmlich, dass ich zur Klinge gegriffen habe. Niemand ist perfekt.

Es heißt fast immer, dass Rückschläge zu einer Heilung dazu gehören und dass jeder Rückschlag einen stärker macht und man daraus lernen kann. Rückschläge werden meistens als etwas Positives dargestellt. Auf eine Art und Weise sind Rückschläge auch positiv. Sie stärken einen auch. Da will ich gar nichts gegen sagen. Allerdings sagt einem keiner, wie schrecklich man sich nach einem Rückschlag fühlen kann. Ich kann kaum noch in den Spiegel gucken. Die Enttäuschung ist einfach zu groß und ich ekel mich vor mir selber. Das ist alles andere als ein schönes Gefühl.

Ich fühle mich wie ein Versager. Zwar war das letzte Ritzen „nur“ 7 Wochen her, aber für mich ist das eine sehr lange Zeit. Ich halte es eigentlich nur so lange aus, mir keine Schnitte zuzufügen, wenn ich einen Partner habe. Dann habe ich immer Angst, dass er sich schlecht oder verantwortlich dafür fühlen könnte und das möchte ich nicht. Ich kann dann auch mal 2 Jahre lang mir nichts antun. Wenn ich aber alleine bin, kann ich mir Schmerzen zufügen, ohne dass sich jemand schlecht fühlt. Das nutze ich dann sozusagen aus. Für meine Umstände sind 7 Wochen also wirklich lange. Ich bin darauf auch sehr stolz, aber zugleich halt auch sehr enttäuscht und negative Gefühle und Gedanken sind meistens stärker als positive Gefühle und Gedanken.

Jetzt wo ich einen Rückschlag hatte und mir neue Schnitte zugefügt habe, kommen auch wieder die Gedanken, dass ich jetzt sowieso schon wieder Schnitte habe und die einen oder anderen mehr oder weniger sind dann auch nicht mehr schlimm. Zudem habe ich irgendwie das Gefühl vermisst, welches man hat, wenn man es durchführt. Jedes Mal, wenn ich mich ritze, habe ich Angst, dass ich wieder süchtig danach werde. Es ist ein ständiger und nie enden wollender Kampf.

Rückschläge haben also sowohl etwas Positives als auch etwas Negatives. Wenn man einen Rückschlag erlitten hat, fühlt man sich nicht gut. Man macht sich Vorwürfe und zweifelt an sich selbst. Ich denke allerdings, dass das ganz normal ist. Wenn man aber dieses Tief überstanden hat, ist man stärker als zuvor. Rückschläge gehören einfach dazu und ich bin nicht die einzige, die Rückschläge erleidet. Zudem gibt es Rückschläge auch nicht nur im psychischen Bereich. Jede Art davon ist nicht schön. Ich muss mich einfach zusammenreißen und das ganze überstehen. Schließlich kommt nach jedem Tief auch wieder ein Hoch. Ich freue mich schon sehr auf das Hoch.

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