Sind wir schlechte Menschen?

Öfters werden wir als schlechte Menschen bezeichnet. Wenn ich sowas hören, frage ich mich wieder, wie man auf diesen Gedanken kommt. Richtig erklären kann ich es nicht, weil ich nicht behaupte, dass wir schlechte Menschen sind. Ich habe aber Vermutungen und manchmal fühle ich mich auch wie ein schlechter Mensch.

Wie ihr schon wisst, sind wir Borderliner nicht leicht. Uns zu verstehen, ist nicht leicht. Mit uns umzugehen, ist nicht leicht. Zusammenleben mit einem Borderliner, ist nicht leicht. Vieles an dieser Krankheit, macht es uns schwer, ein normaler Mensch zu sein. Denn das sind wir dadurch nicht und können es auch nicht sein. Borderline beeinflusst unsere Psyche und damit unser ganzes Leben vom Handeln bis hin zum Fühlen.

Warum denken andere, dass wir schlechte Menschen sind?

Es wird wohl viele verschiedene Gründe geben, weshalb wir als schlechte Menschen bezeichnet werden. Zum einen sind wir nun mal unberechenbar und denken nicht immer an die Konsequenzen. Dadurch kann es passieren, dass wir ungewollt anderen Menschen schaden. Ob psychisch oder physisch sei jetzt mal dahin gestellt. Und wir können dadurch sowohl uns selber als auch andere in Schwierigkeiten bringen. Das ist aber eigentlich meistens nicht unser Ziel. Ganz im Gegenteil. Wir können auch sehr kalt zu uns und unseren Mitmenschen sein. Darauf sind wir auch nicht unbedingt stolz.

Wir können allerdings durch die Krankheit auch „besser“ lieben als gesunde Menschen. Wenn wir lieben, lieben wir richtig. Unsere Liebe zu unserem Gegenüber ist sehr intensiv. Manche von uns fühlen auch mehr und besser. Wir merken zum Beispiel schneller, wenn es jemandem schlecht geht und wenn wir die Person etwas kennen, können wir auch oft schnell herausfinden, wieso es dieser Person schlecht geht und wissen, wie wir handeln müssen, damit es dieser Person wieder besser geht. Ob wir es tun, ist aber eine andere Sache.

Unsere unberechenbaren Aggressionen, können rein theoretisch gesehen, auch anderen Schaden. Das Problem an der Sache ist, wer ist das schlechte in diesem Moment? Ist es wirklich die Person? Könnte es nicht vielleicht die Krankheit sein, die schlecht ist? Ich möchte damit nicht behaupten, dass Borderliner nie bewusst etwas Schlechtes tun, aber das tun gesunde Menschen auch. Wenn eine Person mit Borderline, dir etwas schlechtes antut, denk bitte immer daran, dass die Krankheit uns kontrollieren kann. Die Krankheit macht uns oft zu dem, was wir sind. Da es recht wenige gibt, die Borderline haben, halten wir Borderliner zusammen und wenn man Borderliner ist, kennt man andere Borderliner.

Wenn Borderliner und Borderliner zusammen was unternehmen, ahnen wir den anderen schnell nach. Das liegt aber nicht unbedingt an der Krankheit. Rauchen ist zum Beispiel, denk ich, ein recht gutes Beispiel. Bist du Raucher? Wenn ja, wie hast du angefangen? Als du alleine im Zimmer gesessen hast oder doch eher, weil deine Freunde oder Familie neben dir geraucht haben? Viele Kinder mit Eltern die rauchen, rauchen später selber. Das liegt einfach am Umfeld. Wir Menschen wollen dazu gehören und passen uns oft an.

Warum bin ich ein schlechter Mensch?

Ich denke manchmal auch, dass ich ein schlechter Mensch bin. Warum ich das denke? Ganz einfach.. Wenn ich zum Beispiel denke, dass ich mich in jemanden verliebt habe oder sich Gefühle entwickeln, weiß ich nicht immer genau, ob diese Gefühle echt sind. Ich hatte auch schon Gefühle für jemanden entwickelt, die nicht echt waren. Ich habe einfach in diesem Moment scheinbar jemanden gebraucht und er war da. Diese „Gefühle“ fühlen sich verdammt echt an und sind kaum von richtigen Gefühlen zu unterscheiden.

Der Unterschied ist zum Beispiel, dass diese „Fake-Gefühle“ sehr schnell kommen, aber auch genauso schnell wieder verschwinden. Man merkt, dass an diesen Gefühlen etwas anders ist, man weiß bloß in diesem Moment nicht, was anders ist. Nun ja, ich hatte also in meinen Augen, jemandem Gefühle „vorgespielt“, die gar nicht richtig existiert haben. Ja diese Gefühle fühlten sich echt an, aber das waren sie nicht. Und dadurch fühle ich mich trotzdem verdammt schlecht. Ich habe im Prinzip mit den Gefühlen eines anderen Menschen gespielt, ohne es zu wissen, geschweige denn es zu wollen.

Oder wenn ich einen Anfall habe, ob er spontan kam oder ob es einen Trigger gab, ist dabei nicht so wichtig. Dann habe ich diesen „fremden“ in meinem Kopf, der sagt, was ich zu tun habe. Wenn ich zu schwach bin, um ihn zu kontrollieren, kontrolliert er mich. Sollte es dann also soweit sein, dass er mich kontrolliert, mache oder sage ich Sachen, die nicht so gemeint waren und die ich eigentlich nicht sagen würde. Akzeptiert man dann ein „nein“ von mir nicht, kann ich wirklich an die Decke gehen.

Ich probiere mich dann ruhig zu behalten, aber wenn man dann immer weitermacht, drehe ich irgendwann durch. Und dann kann es auch mal sein, dass ich die Leute etwas beleidige oder sie von mir wegstoße, ohne es zu wollen. In diesem Moment fühlt es sich aber richtig an. Nach so einem Anfall tut es mir dann unglaublich leid und ich schäme mich wirklich. In so einem Moment fühle ich mich auch wie ein schlechter Mensch.

Manche Menschen kann ich irgendwie auch überhaupt nicht an mich heranlassen. Die stoße ich dauerhaft von mir weg ohne, dass sie mir etwas getan haben. Ich kann nicht genau erklären, wieso ich das tu und es tut mir sehr leid. Mir ist dabei aufgefallen, dass es meistens Leute sind, die mir eigentlich sehr nahe stehen sollten oder es mal taten. Ich probiere immer wieder, diese Menschen an mich ran zulassen, aber ich schaffe es einfach nicht. Es geht dann vielleicht mal kurz gut, aber dann stoße ich sie wieder weg. Wenn ich Leute unbegründet „verstoße“, fühle ich mich auch wie ein schlechter Mensch.

Mein Fazit

Es gibt überall auf der Welt und in jeder Schicht, sowohl gute als auch schlechte Menschen. Ob jemand gut oder eher schlecht ist, ist zum einen immer etwas Ansichtssache, weil jeder das anders sieht. Zum anderen, hängt das nicht von etwas allgemeinem ab, wie zum Beispiel dem Alter, der Religion, der Herkunft oder dem Gesundheitszustand eines Menschen. Es liegt einzig und allein an dem Menschen an sich. Hier sind wir wieder einmal bei der Verallgemeinerung. Nicht jeder Borderliner ist schlecht, aber auch nicht jeder Borderliner ist gut. Lernt die Person kennen, bevor ihr über sie ernsthaft urteilt und schert uns nicht alle über einen Kamm. Wir sind auch bloß Menschen. Wir sind bloß Menschen, die nicht immer die komplette Kontrolle über sich haben und dadurch manchmal Sachen machen, die wir wirklich nicht so gewollt haben.

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