Mein Weg zur Borderline-Persönlichkeitsstörung

Borderline ist eine sehr komplexe psychische Krankheit, die man ernst nehmen sollte. Wenn man erfährt, dass man an einer Borderline-Persönlichkeitsstörung leidet, kann es einen sehr runterziehen. Es gibt aber einen Hoffnungsschimmer, denn Borderline ist heilbar und es ist sogar möglich, dass man nach einer Heilung, keinen Rückfall mehr bekommt. Klingt das nicht gut?

Kurviger Weg

Ich habe meine Borderline-Diagnose im Januar 2018 bekommen. Es war ein kleiner Schock für mich. Mir war seit Jahren klar, dass irgendwas mit mir nicht stimmt. Ich wusste immer, dass ich anders bin als die anderen. Ob das nun positiv oder negativ ist, sei jetzt mal dahin gestellt.

Wie alles begann

Alles fing bei mir an, als ich 5 Jahre jung war und meine Eltern sich getrennt haben. Öfters habe ich es bei Ärzten, Familienmitgliedern und Freunden angesprochen, aber es wurde immer alles auf die Pubertät geschoben und mit den Freunden hab ich mich eher darüber lustig gemacht, wenn ich gemerkt hatte, dass sie mich nicht ganz ernst nehmen.

Jahre lang habe ich mich vor jedem verstellt. Ich war immer die Tanja, die mein Gegenüber gerade brauchte. Man sagt zu uns Borderlinern ja auch, dass wir Chamäleons sind. Mittlerweile verstehe ich, was sie damit meinen. Ich bin immer für alle da und das wissen auch alle. Es ist bei mir aber eher krankhaft. Ich kann nicht an mich denken. In meinem Kopf sind meistens nur die Probleme von meinen Mitmenschen.

Ich kam aber selber nie so wirklich auf die Idee, dass ich krank sei. Ich habe mal darüber nachgedacht, ob ich vielleicht depressiv sei, aber den Gedanken hab ich immer wieder schnell über Bord geworfen. Daraufhin hab ich mich auch nicht weiter über Depressionen oder andere psychischen Krankheiten schlaugemacht.

Die ersten Anzeichen

Als ich 13 Jahre jung war, fing ich an, mich zu ritzen. Ich hab mich nur noch gehasst. Dann hatte ich mit 13 heimlich meinen ersten Suizidversuch, der allerdings zum Glück schiefging. Ich war zu dem Zeitpunkt glücklicherweise zu dumm, um es richtig durchzuführen.

Mit 14 Jahren bekam eine sehr wichtige Person in meinem Leben, einen Schlaganfall. Zum Glück „nur“ einen leichten. Das hat mich aber komplett aus der Bahn geworfen. Da ich psychisch nicht so stabil war, aber mir das nicht so bewusst war, hab ich es sehr an mich ran gelassen. Das Resultat davon war, dass meine Gesundheit den Bach runterging. Es fing damit an, dass meine Kniescheibe plötzlich rausgesprungen ist.. Dann hatte ich immer Kopfschmerzen.. Einige Mängel.. Kreislaufprobleme.. Durchblutungsprobleme.. Magenprobleme.. Sonnenallergie und ich bin Laktose- und Fructoseintolerant.

Das wurde mir dann alles zu viel. Ich hatte mit 15 Jahren dann zwei Operationen hinter mir und zwei sexuelle Übergriffe. Daraufhin begann ich einen zweiten Suizidversuch. Ich hatte es aber eigentlich gar nicht vor. Deswegen hatte ich einem sehr guten Freund geschrieben, dass ich mir gerade was antue und Hilfe brauche. Daraufhin stieg er sofort ins Auto und fuhr zu mir nach Hause. Er hat mir damit mein Leben gerettet und ich bin ihm unendlich dankbar dafür.

Dadurch, dass ich immer für alle da war, ging ich immer mehr kaputt. Ich hätte bloß ab und zu mal an mich denken sollen, dann hätte ich damit vielleicht so einiges verhindern können. Nun ist es dafür aber zu spät. Es ist Vergangenheit und die kann man nicht ändern. Ohne meine durchlebte Vergangenheit wäre ich jetzt aber nicht die, die ich bin.

Die Erkenntnis

Ende Oktober 2017 schrieb mich ein alter Freund an. Plötzlich hatte hab ich irgendwann grundlos komplett überreagiert und zum Glück ist er so einer, der alles hinterfragt. Er meinte dann immer wieder, dass ich ja vielleicht depressiv sein könnte. Ich habe es anfangs immer verneint. Eines Nachts ließ mich der Gedanke aber nicht mehr los, ob da vielleicht doch was dran ist. Und wie das heutzutage so ist, hab ich mir mein Handy geschnappt und hab bei Google nach Depressionen gesucht. Als ich mir die Symptome genau und in Ruhe durchgelesen habe, fand ich heraus, dass alle Symptome zu mir passen.

Das hat mich sehr verunsichert und ich fing an, in jeder freien Sekunde etwas Neues über Depressionen zu lesen. Zusätzlich bekam ich dann noch eine depressive Phase. Nach der Phase hab ich beschlossen, dass ich zum Arzt gehen werde. Ich wollte wissen, ob ich wirklich krank bin oder ob ich überreagiere. Ich habe dann oft über meine Vergangenheit nachgedacht und es passte alles zusammen. Irgendwas stimmt mit mir nicht.

Plötzlich hatte ich die Diagnose

Als ich beim Arzt war, war ich sehr aufgeregt und am Zittern. Als ich ihm dann alles so weit geschildert hatte, machte er für mich einen Termin bei einer Psychologin. Ich hatte den Termin bei der Psychologin dann im Januar 2018. Der Psychologin hatte ich dann auch wieder alles geschildert und sie hat mir ein paar Fragen gestellt und nach 10 Minuten sagte sie dann zu mir, dass das was ich habe, weit über eine Depression hinausgeht und ich die Borderline-Persönlichkeitsstörung habe.

Damit wusste ich zu dem Zeitpunkt nichts anzufangen. Auf Nachfrage sagte sie zu mir, dass Borderliner immer nur schwarz oder weiß sehen und nichts dazwischen kennen. Wir leben immer an der Grenze und wir können jeden Moment die Grenze überqueren. Typisch für Borderliner ist es auch, dass wir uns Schmerzen zufügen, weil wir uns selber nicht mehr spüren und uns das fertigmacht, bis wir keinen anderen Weg mehr erkennen.

Nach dem Gespräch bekam ich noch einen kleineren Fragebogen, den ich dort ausfüllen sollte und einen großen Fragebogen mit 140 Fragen, den ich in Ruhe zu Hause beantworten sollte. Zudem habe ich direkt schon Antidepressiva verschrieben bekommen.

Mein Klick-Moment

Danach ging ich erst zur Apotheke, um mir die Antidepressiva zu holen und dann lief ich zu meinem damaligen Freund nach Hause. Seit der Diagnose lief ich ungefähr 3 Stunden komplett leer rum. Ich fühlte nichts. Es war eine schreckliche, aber zum Glück kurze Zeit. In der Zeit hab ich mich auch etwas über die Borderline-Persönlichkeitsstörung informiert. Und dann war es so weit. Ich hatte meinen sogenannten Klick-Moment. Dann kam mir der Gedanke, dass es ja egal sei, ob ich nun Depressionen habe oder eine Borderline-Persönlichkeitsstörung.

Mittlerweile wurde mein Blut getestet, um zu schauen, ob es einen organischen Auslöser hat, aber das ist nicht der Fall. Ich habe zwischenzeitlich die Antidepressiva wieder abgesetzt, weil ich persönlich nicht damit klarkomme, dass mich eine Tablette so sehr verändert. Ich habe aber keine Vorurteile oder Ähnliches gegenüber Menschen, die Antidepressiva nehmen. Wenn es einem hilft, freut es mich natürlich.

Aktueller Stand

Momentan bin ich auch endlich auf der Suche nach einem Therapeuten. Ich habe eingesehen, dass ich alleine nicht gesund werden kann und Hilfe brauche. An sich bin ich ein sehr fröhlicher und optimistischer Mensch. Wenn ich nicht gerade einen Anfall habe, sieht man es mir kaum an, dass ich krank bin.

Jetzt habt Ihr einen guten Einblick in den Verlauf von meinem Borderline bekommen.

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1 Antwort zu Mein Weg zur Borderline-Persönlichkeitsstörung

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