Öffentlichkeit und Borderline

Da ich gerade mal wieder Antriebslos bin und auf nichts Lust habe, dachte ich mir, dass ich mal wieder einen Beitrag schreiben könnte. Also Musik an, Kopf aus und los geht’s. Als Thema fiel mir sofort Borderline in der Öffentlichkeit ein. Wie reagieren andere Menschen auf diese Information? Schrecken sie zurück? Akzeptieren sie es? Wissen sie, was Borderline ist? Habe ich Angst davor, jemandem zu sagen, dass ich Borderlinerin bin?

Eigentlich stehe ich dazu, dass ich Borderlinerin bin. Ansonsten würde ich wohl auch keinen öffentlichen Blog schreiben. Trotzdem habe ich manchmal Angst davor es anderen mitzuteilen. Dabei rede ich nicht nur von der Zeit direkt nach der Diagnose, sondern auch von heute. Als ich die Diagnose bekam, ging mir auch erst mal die Frage durch den Kopf, wem ich das erzählen sollte und wem lieber nicht. 

Schnell beschloss ich, dass ich es meiner Familie sagen sollte und zumindest meinen besten Freunden. Danach kamen Stück für Stück immer mehr dazu, weil es immer Momente gab, in denen ich es erzählen konnte. Mit der Zeit ging ich damit immer lockerer um. Am Anfang hatte ich Angst vor der Reaktion meines Gegenübers. Vor allem, weil ich es am Anfang nur Menschen erzählt habe, die mir sehr Nahestehen. Ich hatte Angst davor, dass sie mich dadurch ausschließen oder anders behandeln. Das ist nicht wirklich der Fall. Also durch meine Bekanntgabe der Diagnose hat sich niemand von denen von mir abgewendet. Allerdings merke ich schon, dass ich hier und da jetzt anders behandelt werde. Das sind allerdings nur kleine Veränderungen.

Nervig finde ich es eher, wenn meine Mitmenschen jetzt Themen in meiner Gegenwart nicht mehr ansprechen, weil sie Angst haben, dass es mich triggern könnte. Allerdings triggert mich eher die Tatsache, dass sie mich wie ein rohes Ei behandeln. Wenn mich etwas triggert, merke ich es und dann kann ich den Mund aufmachen und fragen, ob wir das Thema wechseln können oder ich gehe dann woanders hin. Das war bisher auch noch nie ein Problem. 

Zum Beispiel war ich einmal mit einem Freund bei seinen Freunden und wir haben einen gemütlichen Abend miteinander verbracht. Allerdings kannte ich dort sonst niemanden und niemand kannte mich. Dann zeigte einer eine Art Taschenmesser und gab es mir. Dann meinte ich, dass er es mir nicht geben sollte, weil ich sonst etwas tun könnte, was ich dann bereue und dann zeigte ich ihm meine Narben. Daraufhin nahm er das Messer wieder zurück und dann war alles gut. Niemand hat mich seltsam angeguckt oder mich danach anders behandelt. 

Bisher habe ich meistens gute Erfahrungen damit gesammelt, wenn ich mit meinem Borderline an die Öffentlichkeit ging. Allerdings ist mir auch aufgefallen, dass sehr viele überhaupt nicht wissen, was Borderline überhaupt ist. Oft kommt dann auch die Frage, ob ich mich auch immer ritze. In meinem Falle muss ich es bestätigen, aber ich erkläre dann auch immer direkt, dass sich nicht jeder Borderliner ritzt. Danach geben sie dann manchmal erst zu, dass sie nicht wissen, was das eigentlich ist. Andere behaupten länger, dass sie wissen, was das ist. Mir fällt dann irgendwann auf, dass derjenige gar keine Ahnung hat. Wenn ich dann nochmal frage, gibt derjenige es meistens zu. 

Ich frage mich dann, warum er erst behauptet, dass er Ahnung hat. Wenn ich denjenigen frage, sagt er meistens, dass er dachte, dass das dasselbe ist wie eine Depression. Über Depressionen hört und liest man viel mehr als über Borderline. Ich verstehe es bloß trotzdem nicht. Es ist nichts Schlimmes daran, wenn man nicht jede psychische Krankheit kennt. Vor meiner Diagnose habe ich auch noch nie von einem Borderline Syndrom gehört. Das Thema wird in der Öffentlichkeit selten aufgegriffen. Auch in Filmen oder Serien wird es selten benutzt. Und wenn es mal benutzt wird, wird es nicht explizit in dem Film bzw. in der Serie erwähnt und viele denken einfach, dass der Charakter verrückt ist. Das wirft also eher ein schlechtes Bild auf uns Borderliner. 

Wenn jemand sagt, dass er nicht weiß, was Borderline ist, freut es mich eher. So weiß ich, dass derjenige mir wenigstens nichts vorspielt und sich dafür interessiert. Dann helfe ich sehr gerne und probiere es ihm zu erklären und bin offen für Fragen. 

Ab und zu passiert es trotzdem, dass ich dann abgewiesen werde. Allerdings weiß ich dann, dass diese Person es nicht wert ist. Jemand, der so eine Einstellung hat, brauche ich nicht in meinem Leben. Wie gesagt, passiert das allerdings sehr selten. Ich wurde sehr selten beleidigt, nachdem ich erzählt habe, dass ich Borderlinerin bin. Die meisten akzeptieren es einfach. Vor allem, wenn ich schon ein wenig Kontakt mit jemandem hatte und es erst später erwähnt habe, war die Reaktion sehr positiv. Meistens bekam ich dann zu hören, dass es nun mal so ist. Derjenige mag mich, weil er meinen Charakter mag. Die Gewissheit über meine Diagnose verändert meinen Charakter nicht. Damit haben sie recht. 

Trotzdem habe ich heute noch Angst davor, wenn ich jemanden kennenlerne und diese Person sympathisch finde, es dieser Person zu sagen. Meistens ist die Reaktion zwar positiv, aber halt nicht immer. Ich habe immer Angst, dass es dieses Mal falsch wäre es öffentlich zu machen. Was ist, wenn genau diese Person es nicht versteht und aus meinem Leben verschwindet? Dann weiß ich zwar, dass diese Person sowieso nichts in meinem Leben zu suchen hat, aber es tut trotzdem weh. Zudem habe ich immer das Gefühl, dass ich meinem Gegenüber etwas vorspiele, wenn ich mein Borderline Syndrom nicht erwähne. 

Borderline ist halt etwas das nicht immer überall einfach akzeptiert wird. Es gibt immer Situationen, in denen man ausgeschlossen wird. Das Problem haben allerdings nicht nur wir Borderliner. Nicht nur Menschen mit einer psychischen Krankheit werden aus der Gesellschaft ausgeschlossen. Auch Menschen, die zum Beispiel eine körperliche Einschränkung haben. Heutzutage muss man einfach in den Augen eines anderen Menschen „hässlich“ sein und man wird ausgeschlossen. Es muss nur eine Kleinigkeit anders sein und die Öffentlichkeit akzeptiert einen vielleicht nicht mehr. 

In diesem Punkt haben wir es sogar manchmal einfacher als andere. Unser „Makel“ ist innerlich. Ich habe schon öfter gehört, dass man mir nicht ansieht, dass ich Borderlinerin bin. Das liegt allerdings auch daran, dass man meistens nur Negatives über Borderline weiß. Zudem erleben mich die Menschen im Alltag und nicht während ich einen Anfall habe. Borderliner haben auch viele sehr schöne Eigenschaften. Wir sollten uns lieber auf diese konzentrieren. In unserer Stärke kann uns kaum einer etwas vormachen.

Wenn du dir gerne nochmal die positiven Eigenschaften eines Borderliners durchlesen möchtest, um eventuell wieder etwas Stärke zu bekommen oder du diesen Beitrag noch gar nicht kennst, kannst du ihn hier lesen. 

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