Nerviges an einem Anfall

Davon mal abgesehen, dass ein Anfall nie etwas Schönes ist, gibt es Sachen bei einem Anfall, die besonders nervig sind. Wie ein Anfall ablaufen kann, könnt ihr in meinem Beitrag Ein Anfall lesen. Da habe ich alles schon einmal erwähnt. Hier möchte ich nur nochmal genau auf die Negativen Punkte zurückgreifen.

Unpassender Zeitpunkt

Man kann es selten kontrollieren, wann man einen Anfall bekommt. Eigentlich eher nie. Man kann den Anfall in seltenen Fällen aufhalten oder verschieben, aber damit hat man den Anfall eigentlich nur verdrängt. Das ist auch keine Lösung. Normalerweise kommt der Anfall einfach wann er möchte. Zum Beispiel gucke ich mit einem Freund einen Film oder eine Serie und es ist alles gut und plötzlich schlägt die Stimmung um und ich fange an zu weinen.

Damit ist die Stimmung erstmal im Keller und ich muss gucken, wie ich das wieder in den Griff bekomme und muss meinem Freund erklären, dass er nichts falsch gemacht hat. Er sitzt dann neben mir und weiß gar nicht, was los ist. Oder man ist auf einer Familienfeier und plötzlich rennt man weg und weint.

Was ich auch schon hatte war, dass ein Freund mich aufbauen wollte und zu mir meinte, wie toll und besonders ich bin. Dass ich eine starke Frau bin, weil ich einiges durchmachen musste und trotzdem noch glücklich durchs Leben laufe. Und obwohl mir so viele Menschen Schaden zugefügt haben, bin ich immer noch ein Mensch, der anderen Menschen schnell vertraut und ihnen hilft und für sie da bin. Als mir der besagte Freund also erzählte, wie toll ich eigentlich bin, fing meine andere Persönlichkeit an, dagegen anzukämpfen und verneinte in meinen Gedanken alles und hat alles umgedreht. Dadurch bekam ich dann einen leichten Anfall. Das konnte er sich natürlich nicht erklären. Er wollte mir helfen und mich nicht heruntermachen.

Schmerzen

Was leider auch zu den meisten Anfällen gehört (zumindest bei meinen), sind Schmerzen. Schmerzen, die ich mir zufüge, um mich selber wieder zu spüren. Dabei spielt es keine Rolle, ob ich mir an den Haaren ziehe, mich kneife, mir die Lippe aufbeiße, mich schlage oder sogar zur Klinge greife. Ein Anfall ohne Schmerzen ist sehr selten. Manche sieht man nicht. Wie zum Beispiel das an den Haaren ziehen. Wenn ich damit wieder aufhöre, sieht man es mir nicht an. Bei Sachen wie kneifen, schlagen und auf die Lippe beißen, sieht man danach noch etwas, aber das geht nach ein paar Tagen wieder weg. Allerdings entstehen beim Ritzen Narben, die nie wieder verschwinden.

Das ist einfach nervig. Oft habe ich das Gefühl, dass ich aus dem Anfall nicht wieder herauskomme, wenn ich mir keine Schmerzen zufüge. Es ist aber kein schönes Gefühl. Zudem ist es für meine Mitmenschen auch nicht schön, wenn sie die Rückstände sehen. Sie haben dann Mitleid mit mir. Ich will aber kein Mitleid. Mitleid hilft mir nicht. Eher im Gegenteil. Es zeigt mir nur wieder, dass ich andere Menschen mit meinen Taten verletze und ich kann es nicht ab, wenn ich andere Menschen verletze.

Gedächtnislücken

Wenn ich probiere mich nach einem Anfall zu erinnern, was ich getan und gesagt habe, fällt es mir sehr schwer. Ich habe Gedächtnislücken. Das ist nicht wirklich ein schönes Gefühl. Schließlich weiß ich dann nicht, was ich getan und gesagt habe. Manchmal gucke ich mir Chatverläufe an, wenn der Anfall vorbei ist und fühle mich echt schlecht. Zum Beispiel habe ich einem Freund bei einem Anfall mal ein Bild geschickt, auf dem ich heulend auf dem Boden liege und meinte zu ihm, dass ich nicht mehr kann und nicht mehr will. Er hat sich große Sorgen gemacht und wusste nicht, was er tun sollte. Nach einer halben Stunde oder so war alles wieder vorbei und mir ging es wieder gut und mein Freund war mit der Situation immer noch etwas überfordert.

Nervig ist es auch, wenn ich während eines Anfalls auf die Idee komme, dass ich mich mit aufräumen ablenken könnte. Ich weiß nach dem Anfall einfach nicht mehr, wo ich was hingelegt habe. Noch heute suche ich Sachen, die ich vor einem Jahr oder so weggeräumt habe. Oder ich vergesse Sachen und finde sie dann irgendwann per Zufall wieder und frage mich, wie das da eigentlich hingekommen ist.

Kater am nächsten Tag

Nach einem schlimmen Anfall bin ich immer sehr müde und fertig. Ich habe keine Kraft mehr. Zum Glück habe ich solche Anfälle meistens abends. So kann ich danach direkt schlafen gehen. Allerdings wache ich dann sozusagen mit einem Kater auf. Ich habe das Gefühl, als ob ich am Vortag zu viel Alkohol getrunken habe, obwohl ich keinen einzigen Schluck Alkohol getrunken habe. Mir ist schlecht, mein Kreislauf ist instabil und ich habe starke Kopfschmerzen. Ich kann weder essen noch trinken. Was soll das? Das kann ich mir bis heute nicht erklären, wie das zustande kommen kann.

Während eines Anfalls mache ich Sachen, an die ich mich nicht erinnere. Deswegen dachte ich auch schon, dass ich während eines Anfalls getrunken habe, aber mich nicht erinnere. Das kann aber nicht sein, wenn ich keinen Alkohol habe und es mitten in der Nacht ist. Es ist alles geschlossen. Ich konnte also auch keinen kaufen. Also falls das hier irgendjemand liest, der mir das erklären kann, würde ich mich sehr freuen.

Unkontrolliertes denken und handeln

Bei einem Anfall macht und sagt man manchmal Sachen, die man gar nicht so meint. Ich habe Freunde während eines Anfalls schon öfter zu Unrecht schlecht behandelt. Das tut mir natürlich immer sehr leid. Ich kann das manchmal einfach nicht kontrollieren. Also geschlagen oder so, habe ich zum Glück noch niemanden. Ich werde durch einen Anfall nicht gewalttätig anderen gegenüber. Immer nur mir gegenüber. Wenn ich dann den Anfall überstanden habe, entschuldige ich mich auch sofort und wenn ich dann erkläre, dass ich einen Anfall hatte, verstehen sie es und nehmen es mir nicht übel. Manchmal merke ich allerdings vorher schon, dass ich gleich gemein werden könnte und dann sagen ich demjenigen immer schon, dass wir gerade nicht schreiben sollte, weil es mir nicht gut geht und ich nicht irgendwas Falsches schreiben möchte. Das versteht mein Gegenüber dann normalerweise auch und dann ist alles in Ordnung.

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