Vergangenheit holt mich ein

In den letzten Tage erwische ich mich immer wieder dabei, dass ich gedanklich in meiner Vergangenheit versinke. Ich gehe immer wieder unschöne Ereignisse durch, die ich erlebt habe. Und ich denke darüber nach, was ich gerne alles anders gemacht hätte in meinem Leben und welche Entscheidungen ich lieber anders getroffen hätte. Mal versinke ich nur für einen kurzen Moment in meiner Vergangenheit. Manchmal allerdings auch Minuten oder sogar Stunden.

Meine Vergangenheit spielt sich in meinem Kopf wie ein Film ab. Mal aus meiner Sicht und mal aus der Sicht einer Außenstehenden Person. Beide Varianten sind nicht gerade schön. Wenn es aus meiner Sicht ist, fühle ich mich schrecklich. Ich fühle mich so wie ich mich damals gefühlt. Und wenn es aus der Sicht eines Außenstehenden ist, fühle ich mich so hilflos. Ich sehe zum Beispiel zu, wie ich vergewaltigt werde und kann einfach nichts dagegen unternehmen. Ich stehe einfach da und gucke zu. Zu sehen, wie einem etwas Schlimmeres passiert und man nicht dazwischengehen kann, ist schrecklich.

Ich sitze dann hier und weine und der Film scheint nie enden zu wollen. Er wiederholt sich immer wieder und wieder. Aber auch sowas wie meine Suizidversuche gehe ich durch und Momente, in denen ich mich sehr alleine gefühlt habe oder einen Anfall hatte. Manchmal wünsche ich mir, dass ich meine Erinnerungen einfach löschen könnte. Es würde mir einiges erleichtern. Allerdings ist der leichte Weg für mich wohl nicht vorgesehen.

Man sagt, dass ein Mensch nur begrenzt viel aushält. Die einen mehr und die anderen weniger. Ich frage mich oft, wo meine Grenze ist und ob ich sie je überschreite und wenn ja, wann ist es soweit? Diese Frage kann mir bloß keiner beantworten, weil niemand in die Zukunft gucken kann. Genauso wie man die Vergangenheit nicht ändern kann. Man lebt im hier und jetzt und nicht im gestern oder im morgen. Sich das einzugestehen, kann wehtun, weil einem bewusst wird, dass die Narben, die einem zugefügt wurden, nie ganz verschwinden werden.

Bei psychischen Wunden ist es genauso wie bei physischen Wunden. Sie schmerzen und bluten. Normalerweise ist das Bluten dafür da, damit die Wunde gereinigt wird und mit der Zeit wird das Blut dicker, bis es irgendwann die Wunde verschließt und trocknet. Dadurch entsteht der sogenannte Schorf, der die Wunde schützt, bis sie verheilt ist. Dann fällt der Schorf von alleine wieder ab. Bei einer psychischen Wunde ist es ähnlich, finde ich. Das „Blut“ reinigt ein bisschen die Seele. Es blutet solange, bis man es etwas verarbeitet oder akzeptiert hat. Dann wird das „Blut“ dicker und verschließt den Eingang zum Schmerz. Wenn es dann verheilt ist, entsteht eine Narbe, die für immer bleibt. Genauso wie bei einer richtigen Wunde.

Psychische Narben sind allerdings im Inneren versteckt im Gegensatz zu physischen Narben. Außenstehende sehen psychische Narben nur, wenn man sie ihnen zeigt. Man bestimmt selber, wer sie sehen darf und wer nicht. Wenn man sie aber niemandem zeigt, darf man sich nicht wundern, wenn niemand seine Hilfe anbietet oder aus Versehen die Narbe wieder aufreißt. Derjenige weiß es halt nicht. Das kann man sich vorstellen, als wenn man auf eine blinde Person sauer ist, weil sie mit den Schuhen auf den Teppich getreten ist. Woher soll die blinde Person denn wissen, dass da ein Teppich liegt, auf den sie nicht treten darf, wenn man es ihr nicht vorher gesagt hat? Richtig. Sie kann es nicht wissen.

Jetzt bin ich aber doch wieder vom Thema abgekommen. Eigentlich ging es um die Vergangenheit, die ich manchmal gerne verändern möchte, aber nicht kann. Das ist bei mir etwas widersprüchlich. Zum einen, möchte ich sie gerne verändern, weil sie schmerzt. Zum anderen, möchte ich sie aber eben nicht verändern, weil ich durch meine Vergangenheit die bin, die ich heute bin. Ohne diese Ereignisse wäre ich heute zum Beispiel vielleicht nicht so stark und nicht so eine Kämpferin. Wenn ich zurückdenke, bin ich traurig und verletzt, aber gleichzeitig gibt es mir Mut und Kraft für mein gegenwärtiges Ich. Ich habe so viel durchgemacht und trotzdem lebe ich und bin meistens sogar fröhlich.

Wenn etwas kommt, was mich wieder ein paar Schritte zurückschlägt, belastet es mich, aber ich stehe immer wieder auf und kämpfe weiter. Das sind eher die Sachen, an die ich zurückdenken sollte. Ist doch egal, was mir passiert ist. Das einzige was zählt ist, dass ich aufgestanden bin und weitergekämpft habe. Niemand ist perfekt. Jedem passieren Fehler. Das Wichtige sind aber nicht die Fehler, sondern die Lösungen, um diese Fehler nicht zu wiederholen. Auf diese sollte man sich konzentrieren. Denn wenn du positiv denkst, widerfahren dir auch positive Dinge. Es ist aber ganz normal, wenn man auch mal einen negativen Gedanken hat. Das ist auch gar nicht schlimm, weil ein positiver Gedanke viel stärker ist, als ein negativer Gedanke.

Wenn man also schon in seiner Vergangenheit versinkt, sollte man wenigstens gucken, ob man nicht mit einem positiven Gedanken wieder auftauchen kann. Lass dich nicht von deiner Vergangenheit kontrollieren, sondern kontrolliere deine Gegenwart. Das ist ein gutes Motto. Vielleicht sollte ich öfter danach leben.

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